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IDANI Shuichi (IDANI Syuichi)
Geschlecht männlich  Alter zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs 16 
Aufgenommen am 2009.11.5  Alter bei der Aufnahme 80 
Aufenthaltsort zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs Hiroshima(Entfernung vom Epizentrum:1.0km) 
Hall site Nationale Friedensgedächtnishalle für die Atombombenopfer von Hiroshima 
Synchronisation/
Untertitel
Untertitel 
Herr IDANI Shûichi, damals 16 Jahre alt. Herr IDANI war im Abschlussjahr der "Ersten Tottori Mittelschule" (Präfektur Tottori). Herr Idani fuhr nach Hiroshima zur Aufnahmeprüfung  an der Militärschule für Rechnungswesen. Sein Ryokan (traditionelles japanisches Gasthaus) in Horikawa war nur einen Kilometer vom Zentrum der Bombenexplosion entfernt, sodass er verstrahlt wurde. Obwohl er keine äußere Verletzungen hatte, litt er unter Brechreiz und Durchfall. Er macht sich Vorwürfe, weil er seine Freunde nicht retten konnte. Heute vermittelt er Kindern und Ausländern die Bedrohung durch die Radioaktivität und deren Auswirkungen und wünscht sich aufrichtig, dass auf der ganzen Welt die Atomwaffen verschwinden.
 
【Zur Aufnahmeprüfung nach Hiroshima】
Als ich in die Mittelschule kam, wurde ich wegen meiner lauten Stimme zum Klassensprecher gewählt. Die Schule war damals schon militärisch organisiert, so hatte ich wie ein Kommandant die Aufgabe, von morgens bis abends Befehle zu erteilen Wir wurden nämlich alle zu unbedingten Militaristen herangezogen. Deshalb wollte ich damals unbedingt auf eine Marineschule. Aber ich fiel bei der Aufnahmeprüfung durch.
 
Da ich aber unbedingt im Dienst des Kaisers stehen wollte, habe ich mir die Heeresschule für Rechnungswesen ausgesucht, und sollte dort eine Aufnahmeprüfung ablegen. Die Prüfung war am 6. 8. 1945 in Hiroshima. Wir, 8 oder 9 Schüler eines Jahrgangs aus der Praefektur Tottori und eine Begleitperson, fuhren  mit dem Zug zu dieser Prüfung Am Abend davor, also am 5. August kamen wir in Hiroshima an. Es war bereits dunkel und  weil es Sommer war, vermute ich, dass es acht Uhr war.    
 
【Der Tag des Atombombenabwurfs】
Nach dem Frühstück morgens hat unser Betreuer zum Aufbruch geblasen. Plötzlich wurde Fliegeralarm gegeben. Wir wollten auf die verhassten, amerikanischen Jagdflugzeuge einen kurzen Blick werfen. In dem Moment, als ich mich an einem Pfosten auf dem Gang festhielt und über eine Ecke des Gartens hinaufsah, gab es einen grellen Blitz und dann einen Explosionsknall. Dann wurde ich von einer Druckwelle erfasst und durch die Luft geschleudert. Mittlerweile kann man solche Szenen oft in  Zeichentrickserien sehen. Genauso war es auch in meinem Fall. Als ich weggeschleudert wurde, wurde das Ryokan zertrümmert und begrub mich unter sich. Ich verlor sofort das Bewusstsein.
 
Ich kam erst wieder zu mir als jemand um Hilfe schrie, aber in der völligen Dunkelheit wusste ich nicht, was los war. Wegen des Explosionsknalls dachte ich, dass dies ein Bombenangriff sein musste Glücklicherweise lagen in meinem Fall Tatami-Matten schief auf zerbrochenen Querbalken. Dadurch konnte ich wie auf einer Rutschbahn unter den Boden rollen. Deshalb hatte ich keine äußeren Verletzungen oder Verbrennungen. Ich fand das überaus seltsam. Das Haus hatte unter den Fußboden kleine Spalten, durch die gerade mal Hunde oder Katzen durchpassten. Ganz nackt gelang es mir hinauszukriechen. Dann streckte ich die Hand aus, um meine Kleidung herauszuziehen. Wäre ich kräftiger gewesen, hätte ich mich nicht durch die Spalte hindurch zwängen können.
 
Als ich nach draußen kam, waren dort bereits einige meiner Freunde. Sie standen auf den Dachziegeln und sahen sich unruhig um. Ich kam, glaube ich, erst später heraus. Unser Begleiter hatte seinen Kopf mit einem Verband aus einem Hemd oder so umwickelt. Es schien, dass er am Kopf eine Verletzung hatte. Die anderen hatten erstaunlicherweise keine äußeren Verletzungen. Es gab nur einen, der äußere Verletzungen hatte, einer von uns trug ihn auf dem Rücken; so kehrten sie nach Tottori zurück, er hat bis gerade erst letztes Jahr überlebt. Aber derjenige, der ihn auf dem Rücken getragen hatte, verstarb an der akuten Strahlenkrankheit.
 
Wir flüchteten barfuß in die Richtung, in der es kein Feuer gab. Warum hatten wir keine Schnittwunden an den Fußsohlen, obwohl wir auf unser Flucht über Glasscherben gerannt sind? Warum hatten wir keine Verbrennungen, obwohl wir durch das lodernde Feuer flohen und uns dabei das Löschwasser über die Köpfe spritzten? Das war alles wirklich eigenartig.          
 
Jemand rief unterwegs um Hilfe, und ich sagte, "Lass uns gehen." Als ich ihn an der Hand zog, schälte sich seine Haut von seiner Hand, als wenn man versuchte, einen Handschuh abzustreifen. Dann stand ein verwirrter Soldat da, der nur mit der Kordel seines Fundoshi (japanische Lendentuch) bekleidet war. Ich habe viel gesehen, aber fast alles vergessen.  Wir flohen irgendwo hin, wo kein Feuer war. Wir taumelten und fielen auf einer Wiese auf den Rücken; wenn ich so auf die Karte sehe, müssten wir da die Tsurumi-Brücke schon überquert haben.
 
Da konnte  ich das erste Mal die Atomwolke direkt über uns sehen. Bis dahin hatte ich nur nach unten gesehen,  daher wusste ich nicht, dass die Wolke da oben war. Erst als ich da lag und nach oben schaute, sah ich die Wolke direkt über mir am Himmel. Sie war schwach mausgrau. Sie dehnte sich aus und leuchtete am Rand in den Regenbogenfarben. Dann begann der Regen. Es gab keine Gebäude mehr und die Bäume waren alle verbrannt. Das bedeutete, dass sich bis dahin kein einziger schattiger Ort mehr gefunden hatte. Deshalb kam uns nach der glühenden Hitze dieser Regen sehr gelegen, und wir öffneten unsere Münder um zu trinken. Weil das aber noch nicht genug zu Trinken war, trank ich aus einem nahe gelegenen Ziehbrunnen. Unmittelbar danach erbrach ich mich und bekam Durchfall. Obwohl ein Freund das Wasser aus dem gleichen Brunnen trank, bekam er keinen Durchfall und übergab sich nicht. Das war auch eigenartig.
 
Wir haben schließlich besprochen, was wir machen sollen. Einer von uns kam aus dem Landkreis und sagte: "Dogeeshoonaa" ("Was machen wir jetzt"). Ein Soldat, der vorbei kam, hörte den Tottori-Dialekt. Er war selbst aus Tottori und fragte ihn im Tottori-Dialekt: "Kommt ihr aus Tottori?". Dann nahm uns der Soldat mit zu sich nach Hause, wo wir uns ausruhen konnten.
 
【Der Zustand nach dem Bombenabwurf】
Es war fast alles zerstört, aber das Haus des Soldaten war nicht eingestürzt. So denke ich, dass es wahrscheinlich auf der anderen Seite des Hijiyama-Berges lag. Wenn ich mich im Haus des Soldaten nicht erholt hätte, weiß ich nicht, was mit mir passiert wäre. Denn es gab weder Essen noch einen Ort zum Schlafen. Danach, wegen meiner schlechten Verfassung wurde ich lange Zeit bettlägerig. Sobald ich aß, übergab ich mir unweigerlich sofort, so dass mir schwindelig wurde und ich keine Kraft mehr hatte. Nachts stank es nach verbrannten Leichen. Überall waren Feuer zu sehen, in denen Leichen verbrannt wurden. Daraus schloss ich, dass die Stadt vollkommen zerstört war.
 
Ein Freund, der ins Innere der Stadt gegangen war, um sie zu erkunden, berichtete uns vom Stand der Dinge. Da war mir klar, dass alles zerstört worden war. Weil er seltsamerweise gesund war, ging er zum Rathaus, um offiziell bestätigen zu lassen, dass wir Opfer des Bombenabwurfs waren. Mit dieser Bescheinigung konnten wir am 4. Tag kostenlos mit der Eisenbahn fahren.
 
【Wiedersehen mit der Familie】
Eigentlich wollte ich ja vom Tottori-Bahnhof zu Fuß nach Hause gehen  aber schaffte es nur bis zum Haus meiner Verwandten. Als ich endlich dort ankam, waren sie alle überrascht. Ein Verwandter rief bei mir zu Hause an, dann holte mein Bruder mich ab. Mein Bruder hatte Angst, dass ich ein Geist sei, und guckte ständig auf meine Füße. Mein Bruder trug mich auf dem Rücken nach Hause. Dort sah ich, dass vor dem Butsudan (buddh. Hausaltar) tatsächlich Opferkerzen für mich, den Verstorbenen, brannten. Ich setzte mich aufrecht hin und grüßte alle: "Ich bin wieder da. Danke für Eure Anteilnahme", gerade so, als wäre ich ein erwachsener Soldat. Ich hörte, dass mein Bruder und meine Mutter am nächsten Morgen nach Hiroshima hatten reisen wollen, um meinen Leichnam nach Hause zu holen. Wenn ich einen Tag später zurückgekehrt wäre, wären sie beide ebenso verstrahlt worden. Ich hörte später, dass die Atombombenopfer Krebs bekamen, Blut spuckten und starben. Daher glaube ich, dass sie Glück hatten, wenn ich darüber nachdenke, dass ihnen das auch hätte passieren können.
 
【Die Nachwirkung des Bombenabwurfs】
Nachdem ich nach Tottori zurückgefahren war, bekam ich wiederholt hohes Fieber. Das war die sogenannte akute Strahlenkrankheit. Inzwischen hatten wir den Krieg verloren. Ich überlegte, was ich nun tun sollte, fuhr mir mit der Hand durch die Haare und merkte auf einmal, dass sie mir büschelweise ausfielen. Aber das war nicht so wichtig. Ich überlegte ständig, was ich in Zukunft für Japan tun könnte, und was geschehen würde, wenn die amerikanische Truppen landen würden. Gleichzeitig fühlte ich mich hilflos. Wenn ich die Augen schloss, sah ich vor mir die Flucht unmittelbar nach dem Atombombenangriff und die beängstigenden Verhältnisse nach meiner Rückkehr. Ich konnte kaum Schlaf finden. Und schließlich trug man mich auf einer hölzernen Schiebetür in das Rotekreuz-Krankenhaus.
 
In Zivilkrankenhäusern gab es damals keinerlei Medikamente mehr, denn diese standen nur noch der Armee zur Verfügung. Also schlug der diensthabende Arzt eine Bluttransfusion vor, und rief meine Freunde dazu auf. Daraufhin stürmten zig Freunde mit aufgekrempelten Ärmeln in das Rote-Kreuz-Krankenhaus. Weil ich Blutgruppe A habe, konnten über 10 Personen mit den Blutgruppen A und 0 - unter ihnen der Arzt - Blut spenden. Ich denke immer daran, dass ihr Blut heute noch durch meinen Körper fließt und dass ich nur deswegen lebe. Schließlich ging mein Fieber zurück. Trotz der Hitze waren Freunde mit einem Eimer am Fahrrad in die weit entfernte Hafenstadt gefahren und hatten Eis, mit dem man eigentlich Fisch kühlt, besorgt. Außerdem haben sie auf meine jüngeren Geschwister aufgepasst. Meine Freunde haben mir wirklich viel geholfen, damit sich meine Mutter auf die Krankenpflege konzentrieren konnte.
 
【Gefahr durch Radioaktivität und der Wunsch nach Abschaffung der Atomwaffen】
Manche Menschen mussten ihre Eltern und Geschwister zurücklassen und fliehen. Obwohl es sich bei mir nur um Freunde für eine Nacht handelte, mache ich mir Vorwürfe, dass ich geflohen bin und nur mich gerettet habe. Wer solche starken Empfindungen hat wie ich, muss mit Leidenschaft für das Verbot von Atom- und Wasserstoffbomben kämpfen.
 
In Bürger- und Gemeindehäusern berichte ich Kindern mmer wieder von meinen Erfahrungen. Sie wissen nichts wirklich über Atombomben. Gerade mal, dass es blitzte und donnerte, und dass es auch Maden gab. Auch Studenten sagen, dass sie das schon gehört haben. Wenn sie jedoch das erste Mal von der Strahlenkrankenheit hören, horchen sie auf. Da wurde mir klar, dass man nicht nur über Blitz und Knall sprechen muss, sondern über mehr Details. Jedesmal bitte ich die Schüler, ihre Eindrücke aufzuschreiben. Ich freue mich immer darüber, dass sogar Grundschüler gegen den Krieg sind, und dass an der Atombombe die Strahlenkrankheit am schlimmsten ist. Vor allem bei meinem Amerikabesuch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man dort völlig uninformiert ist. Amerikaner wissen  nur so ungefähr, dass es eine große Bombe gegeben hat. Aber heute geht es nicht mehr um große Bomben, sondern um radioaktive Waffen. Erst heute weiß man, dass die radioaktive Strahlen genetische Auswirkungen haben. Nach 64 Jahren wissen die Menschen auf der ganzen Welt von diesen Auswirkungen. Ich denke, dass das der Weltkonferenz zum Verbot von Atom- und Wasserstoffbomben zu verdanken ist. Wir als Atombombenopfer sind zu verschiedenen Orten gefahren. Auch ich bin deswegen ungefähr acht mal unterwegs gewesen Ich denke, dass genau das das Verständnis der Menschen auf der Welt geändert hat und ich freue mich über meinen kleinen bescheidenen Beitrag dazu. Ich will, dass noch zu unseren Lebzeiten die Atomwaffen abgeschafft werden.
 
Planung, Erstellung: Nationale Friedensgedächtnishalle für die Atombombenopfer von Hiroshima
Herstellung: Hiroshima Asahi Kôkokusha (Inc.)
Übersetzung: Studierende des Wintersemesters 2015/16 der Universität Erfurt, Prof. Dr. Eiichi KIDO
Übersetzungs-Kontrolle: Dr. Yôkô NISHINA, Annette HANSEN
Übersetzungs-Koordination: Network of Translators for the Globalization of the Testimonies of Atomic Bomb Survivors (NET-GTAS)    
 
 

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